Zwölftsemesterstress – Aaron und sein Propädeutikum

Ihr seid in diesem Jahr ein großer Jahrgang, sagte man uns. Und wie groß ist dann klein?, dachte ich. Dass meine zukünftige Universität ein wenig kleiner sein würde, als meine bisherige in Hamburg, das hatte ich mir schon vorher gedacht, – dass sich die Zahl meiner Mitstudierenden allerdings auf ganze drei Personen beschränken würde, hatte mich dann doch überrascht.

Drei Personen. Ein Risiko. Wenn man sich nicht versteht, dann wird es ein hartes Semester. Keine Ausweichmöglichkeit, kein Zurückziehen, dann muss man da durch. Ich zweifelte schon vor der ersten Woche. Das kann ja was werden, dachte ich.

Und dann begann die erste Woche für mich auch noch mit einem Fehlstart, wie er im Buche steht: Ich war nicht da. Am ersten Tag, wie ungünstig! Während ich am Montag noch gemütlich in Hamburg saß und meinen Nachmittagskaffee genoss, stellte ich mit erschrecken fest, dass vor zwanzig Minuten der erste Programmpunkt in Oldenburg begonnen hatte. Ein zweiter Anflug von Zweifel: Jetzt kennen sich bestimmt schon alle und ich stehe außen vor. Erstsemesterstress, par excellence!

Dass ich mich nach einem erfolgreich abgeschlossenen Masterstudium tatsächlich noch einmal mit so etwas wie Erstsemesterstress werde herumschlagen müssen, war mir irgendwie nicht klar. Warum ich nach einem erfolgreich abgeschlossenen Masterstudium überhaupt noch einmal mit einem neuen Studium beginnen sollte, war keinem so wirklich klar. Mir nur so halb und allen anderen völlig unverständlich. Selbst an der Universität wurde nicht nur ein schriftlicher Motivationsnachweis gefordert, sondern auch noch in der ersten (also zweiten) Sitzung das Kreuzverhör gestartet: Warum sind Sie hier? Was hat Sie hierher gebracht?

In meinen Ohren: Wie konstruiere ich einen Selbstentwurf, der die Entscheidung, noch einmal zu studieren, auf den Punkt bringt, als unausweichlichen Schritt in meinem Lebensplan platziert,…rechtfertigt? Die Antwort schwankte also irgendwo zwischen kritischer Selbstbetrachtung und unkritischer Selbstkonstruktion. Ich hätte doch noch dieses oder jenes Seminar in meiner alten Universität besuchen sollen, das hätte so gut herein gepasst, dachte ich.

Es war natürlich alles ganz anders gemeint. Es zeigte sich als ein spannender Ansatz, die eigene Lebenssituation gleich offen auf den Tisch zu legen, sie Teil der wissenschaftlichen Analyse werden zu lassen. Wenn ich schon am ersten (zweiten) Tag solche tiefgreifenden Erkenntnisprozesse mitnehme, dann kann das Studium nur die richtige Wahl gewesen sein, dachte ich.

Und auch meine drei zukünftigen Wegbegleiterinnen hatten sich noch nicht am ersten Tag gegen mich verschworen. Ich war nicht einmal der Einzige, dessen erster Tag der zweite war. Mit Merle, Mareike und Alev begann eine spannende, erkenntnisreiche, amüsante, aber auch anstrengende und arbeitsreiche Zeit, die in diesem Blog ein würdiges Ergebnis findet. Ein bisschen stolz darf man ja auch sein.

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