Organisieren geht über Studieren – oder: Merle und ihr Propädeutikum

Als ich am Montag, den 4. April 2016 in den Raum trat, der von da an für die nächsten zwei Monate mein gefühlter Drittwohnsitz werden sollte, stand ich erst einmal alleine da. Das Schriftenarchiv war eine ungewohnte Lernumgebung. Überall stand etwas herum, Regale voller Zeitschriften und Bücher, die Fensterbänke waren voll gestellt. Ein großer Tisch, an dem zu viele Stühle standen, bot zumindest Platz, um einer kleinen Gruppe die Möglichkeit zum Austausch geben zu können.

So viele würden wir nicht sein, das wusste ich bereits nach dem ersten Blick auf die Veranstaltungsanmeldungen im StudIP.

Und wenn ich an die Anwesenheitsgewohnheiten meiner Kommilitonen im Bachelor-Studium zurückdachte, war die Wahrscheinlichkeit nicht so groß, dass überhaupt noch jemand kam.

Doch tatsächlich stand kurz vor Veranstaltungsbeginn Mareike in der Tür des Schriftenarchivs und schaute sich genauso irritiert um, wie ich, als ich endlich den Raum gefunden hatte. „Propädeutikum?“, fragte ich, und sie schien genauso erleichtert, wie ich, dass sie Gesellschaft im neuen Master-Dschungel hatte. An diesem Tag sollten wir die einzigen „Neuen“ bleiben und wurden von Vanessa und einigen Studierenden und Dozenten der Fakultät in Empfang genommen.

Ja, hier dutzte man sich. Und vor allem: man kannte sich.

Das kannte ich so nicht. In meinem Bachelor-Studium war ich eine von vielen, konnte mich in der zehnten Reihe hinter den stets hinterfragenden Gasthörern verstecken und habe still und heimlich meine Hausarbeiten oder Klausuren geschrieben.

In den „Kulturanalysen“ konnte man sich nicht verstecken. „Was kannst du?“ wurde bereits am zweiten Tag gefragt. Eine Frage, vor der ich mich schon in sämtlichen Vorstellungsgesprächen drücken konnte. Hier schauten einen zwölf Augen an und erwarteten eine Antwort. „Schreiben und Recherchieren.“ war meine plumpe Antwort, nicht ahnend, dass sich dies nach nur etwas mehr als vier Wochen merklich ändern würde.

Denn mittlerweile habe ich gemerkt, dass in diesem Studiengang nicht gefragt ist, sich zu verstecken. Man soll sich ausprobieren, analysieren, hinterfragen, aufmerksam sein und fleißig. Es geht nicht darum, die beste Antwort zu geben, sondern die richtige Frage zu stellen. Und es geht darum, nicht den Überblick zu verlieren.

„Organisation ist alles“, sagte uns Tutorin Pia schon am zweiten Tag und das war bis jetzt so ziemlich der beste Tipp, den wir bekommen haben. An dem Tag stießen auch Alev und Aaron zu unserem Team der „Neuen“ und wir merkten sofort, dass die Teamarbeit gut funktioniert.

Vier Tage in der Woche waren wir von nun an zusammen. Wir lasen die Texte, diskutierten darüber, schrieben Protokolle und erarbeiteten gemeinsam diesen Blog. Schon in der ersten Woche richteten wir eine Studiengruppe ein und tauschten die Handynummern, um uns regelmäßig absprechen zu können. Für mich bedeutete das ein Unterschied von Tag und Nacht. Zeit war von nun an ein Rohstoff, den es gut zu verwalten galt.

Und auch wenn ich mich bisher in der Rolle der Studentin in der hintersten Reihe, die leise mitschreibt, nicht unwohl gefühlt habe, merke ich, dass mir die zielorientierte Arbeit mit den anderen Dreien bis jetzt wirklich Spaß macht. Die Mischung aus Vorlesung, Teamarbeit, Tutorium und Lektürekurs ist gut und lässt genügend Raum für Fragen und Diskussionen.

So werde ich langsam nahezu wehmütig, wenn ich bedenke, dass das Propädeutikum schon in wenigen Wochen vorbei ist.

Aber die Wehmut wird wohl, zumindest laut den Aussagen der höheren Semester, bald verfliegen. Denn dann fängt das Studium erst richtig an. Ich bin gespannt darauf.

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