Protokoll vom 11. Mai 2016

Anwesende: Merle, Mareike, Alev

Kaja Silverman: Dem Blickregime begegnen!

Blickregime: Anschauen mit einer (unbewussten) Erwartung, Sehen mit (unterbewussten) Vorannahmen

Standfotografie, Film und Video sind wichtig für das Gespiegeltwerden!

Jedes Subjekt muss gesehen werden, um zu sein. (S. 48)

Vergleich Sprach- und Bildrepertoire

→ Darstellungsparameter abhängig von Zirkulation

Wir sehen durch Bilder und werden durch Bilder gesehen (S. 42)

Die Welt entwirft sich im Voraus als Fotografie:

„Die Welt im Ganzen hat sich ein Photographiergesicht zugelegt.“

Mensch setzt sich dabei in Pose

Mimikry: Man fügt sich in den Ort ein

Pose: Dadurch, dass man sich in Pose setzt, wird der Raum zur Kulisse (Ort)

Posensind abhängig und werden abgebildet vom Bildrepertoire des Kulturraums.

Barthes: Der Referent ist, was man auf dem Foto sieht und was man durch ihn erkennen kann.

Dadurch, dass es Standfotografie gab, setzte sich der Mensch schon vor Jahrhunderten in Pose. Auch heute, selbst im Schlabberlook, gibt es eine Selbstreflektion!

Jeder hat ein Ideal, an dem er sich orientiert.

Cindy Shermann’s Untitled Film Stills: Standbilder.

Arthur Danto: Foto referiert auf die Welt.

Cindy Shermann: Welt referiert auf das Foto, Referent „buhlt“ um die Kamera! (S. 51)

„Die Kamera dokumentiert nicht einfach die Pose. Die Pose selbst nimmt die Sprache des Standphotos dermaßen in Anspruch, daß sie das photographische Äquivalent eines „tableau vivant“ darstellt.“

Shermans Frauen werden nicht nach ihren Bedingungen und Vorstellungen fotografiert, Kleinigkeiten, wie die Spülmittelfasche auf der Spüle, lösen ganz anderen fotografische Vorgänge aus.

Judith Williamson: Fotos in sich sind unschuldig, erst die Interpretation durch das „kulturelle Vorverständnis“ des Betrachters liest die Bedeutung in sie hinein.

Es gibt eine Norm- und Idealvorstellungen, die man abzubilden versucht.

Winnicot: „genügend gut“ reicht und das ist voll okay.

→ Voraussetzung: Nichts und niemand kann Ideal werden.

Blick ist veränderbar! Die Bewertung des Wahrgenommenen kann sich radikal verändern! Dadurch verändert sich auch die Norm!

Analyse der Untitled Film Stills von Cindy Sherman

Shermans Fotografien sind von 1977

Unter dem Titel `Film Stills´ sollen Standbilder aus Filmen nachgestellt werden.

Bild #2: Eine Frau steht mit dem Rücken zu dem Referenten gewandt.

In diesem Bild steht der Spiegel im Vordergrund, in den sie verführerisch hineinblickt. Der Handrücken berührt dabei ganz leicht ihren Hals.

Es ist ein Wiederspruch erkennbar zwischen der Repräsentation im Spiegel, die sehr verführerisch wirkt und der Pose davor, in der sie nur mit einem Handtuch vor dem Badezimmerspiegelt posiert.

Der Referent ist in diesem Zusammenhang der Bezugspunkt.

¨Kurzum, die Kamera dokumentiert nicht einfach nur die Pose: Die Pose selbst nimmt die Sprache des Standphotos dermaßen in Anspruch, daß sie, würde sie auch nie photographisch aufgezeichnet, das photographische Aquivalent eines >tableau vivant< darstellt. Da die Szene und die Schauspieler, die das Standphoto komponieren, sich um das Standphotos willen zusammenfinden, ist die Kamera Teil des Werkes¨ (Silverman 1997, 51).

-> ¨tableau vivant¨ (deut. lebendes Bild) = Darstellung eines Gemäldes als Fotografie (18 Jhd.)

Silvermans Interpretation:

– Bilderrepetoire

– stereotyper Natur

– Versuch normative Ideale zu verkörpern

-> Shermans Frauen werden nicht gemäß ihren Vorstellungen und Bedingungen >>fotografiert<< (S. 52f.)

-> störende Kleinigkeiten stören die Inszenierung des normativen Ideals wie in #50 in Zusammenhang mit dem verführerischen Blick, mit den die Frau in den Spiegel blickt, ein anderes Kostüm erwartet wird als ein Handtuch.

Auch in #3 posiert die Frau auf einer erotischen Art und Weise. Sie wirft einen verführerischen Blick über ihre Schultern. Die Umgebung in der sie sich befindet, zerstören allerdings das Ideal einer verführerischen Frau und schaffen das Bild einer erotisch posierenden Hausfrau¨, die scheinbar gerade am Abwaschen ist, da sie sich an der Spüle abstützt.

In #34 gibt es einen Bruch mit der Pose. Durch die unvorteilhafte Fotografie wirken die Füße des Models gigantisch in Proportion zu ihrem Gesicht. So entspricht dieses Bild, obwohl das Model versucht sich verführerisch mit dem verträumten Blick und den Kopf auf die Schulterfallend, zu inszenieren, bricht die Position in der das Foto aufgenommen wird, mit dem normativem Ideal.

In #50 Macht es die Haltung des Modells aus. Sie versucht sich ihrer stillvollen Umgebung anzupassen und dabei auch eine stilvolle und grazile Haltung einzunehmen. Doch stattdessen wirkt ihre Haltung starr und unnatürlich.

Die Stereotype sind in unseren Köpfen verankert und geben so das normative Ideal vor. Diese Vorannahmen sind kulturell geprägt und wandelbar.

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