Stuart Hall

Stuart Hall wollte sich nie festlegen.

„Ich weiß nur, wer ich nicht bin“, sagte er einmal in einem Interview und macht damit deutlich, dass er sich nicht in eine Schublade stecken ließ. Er war Jamaikaner, lebte seit seinem Studium aber in Großbritannien, nachdem er das begehrte Rhodes-Stipendium für Oxford-Universität erhalten hatte. 1968 wurde er Mitglied des Centre for Contemporary Cultural Studies, einem Forschungszentrum an der Universität Birmingham, das von Richard Hoggart gegründet wurde und dessen Mitglieder sich mit  der Darstellung verschiedener Gruppen in den Massenmedien auseinandersetzte und versuchte die Wirkung dieser Darstellung auf das Publikum zu analysieren.

Stuart Hall war Anti-Existenzialist und tratfür die Hybridität ein, Grenzen waren für ihn ein Fremdwort. Da wundert es auch nicht, dass er von 1979 bis zu seiner Pensionierung als Professor an der britischen Open University arbeitete, einer Fernuni, die ihren Studenten keinerlei Aufnahmebeschränkungen auferlegte. Er selbst bezeichnete sein Denken über Kultur, Rassismus und politische Theorie als „unvollendete Unterhaltung“, eine Bezeichnung, die seine Haltung zu seiner Umwelt wunderbar deutlich macht. Er sah sich als Teil vom Ganzen, nahm sich selbst nie zu wichtig und wurde trotzdem oder gerade deswegen durchaus ernst genommen, geradezu gefeiert.

„Stuart Hall war einer der wenigen Farbigen im Fernsehen, der nicht sang oder tanzte oder rannte. Er war eine Art Rockstar, eine Popikone mit Hirn!“ (John Akomfrah)

Dabei besann sich Hall stets auf gute Zusammenarbeit. „Ich arbeite am besten im Team“, erzählte er in einem Interview und tatsächlich formulierte er seine treffendsten Analysen in Kollaboration mit Kollegen.

Seine prägnantesten Werke sind Essays wie „Enkodieren/ Dekodieren“, einer Auseinandersetzung mit den Medienwissenschaften, die er daran erinnert, dass vor den Radio- und Fernsehapparaten denkende, fühlende Wesen sitzen, die durchaus fähig sind, eine Botschaft anders zu verstehen, als es diejenigen in den Sendern geplant haben.

Er selbst verstand diesen wie viele seiner anderen Texte lediglich als Einwurf in aktuelle Debatten, ohne ihnen eine höhere Gewichtung beizumessen, als andere Beiträge. Und auch ohne sich auf seine Gedanken determinieren zu lassen.

Denn, wie gesagt: Stuart Hall wollte sich nie festlegen.

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