Michel Foucault

Paul-André Foucault war ein Arzt, genauer gesagt Professor für Anatomie in Poitiers. Sein Vater Paul-Victor Foucault war auch schon Arzt gewesen, und sein Sohn sollte es ihm gleichtun.

Doch der am 15. Oktober 1926 geborene Paul-Michel Foucault interessiert sich zunächst viel mehr für Geschichte und Philosophie. Er schreibt sich 1946 für Philosophie und Psychologie an der Pariser Elitehochschule École normale supérieure ein. Hier studiert er bei Loius Althusser, später hört er Vorlesungen bei Jaques Lacan. Nebenbei lernt er die psychiatrische Arbeit in Krankenhäusern und Gefängnissen kennen und erwirbt ein zusätzliches psychiatrisches Diplom. Schon fünf Jahre nach seinem Studienbeginn hält Foucault eigene Philosophievorlesungen. An denen nehmen auch Jacques Derrida und Gérard Genette teil, mit denen Foucault sich später zusammen mit Roland Barthes in der Sprach- und Literaturkritischen Bewegung Tel Quel zusammenfinden wird.

Im Jahr 1970 wird Michel Foucault auf den Lehrstuhl Geschichte der Denksysteme am Pariser Collége de France berufen. Sein Forschungsprogramm formuliert er in seiner Antrittsvorlesung Die Ordnung des Diskurses.Bis zu seinem Tod im Jahr 1984 wird sich Foucault mit den Verschränkungen von Wissen und Macht beschäftigen. Er sucht die Macht vor allem dort, wo man sie nicht sieht: In den Diskursen über das Wahre und das Falsche, in den Mechanismen die Wahrheit produzieren.Foucault fragt danach, welche Regeln und Grenzen diesen Diskurs bedingen und wer definiert, was wahr ist. Wer kann an der Produktion von Wahrheit mitwirken, und wer nicht?Die Wirkungsweise dieser Machtstrukturen analysiert er anhand verschiedener Forschungsgegenstände. So beschäftigt er sich 1961 mit der Geschichte des Wahnsinns und wie dieser als das „andere der Vernunft“ konstruiert wurde. Zwei Jahre später setzt er seine Überlegungen fort, indem er die Entwicklung der Institution Klinik rekonstruiert.In Die Ordnung der Dinge vergleicht Foucault 1966 die Entstehung und den Wandel der drei Wissenschaftsbereiche Biologie, Ökonomie und Philologie von der Renaissance bis zur Moderne. Die Parallelen die allen Wissensgebieten zu Grunde liegen, also die gemeinsame Denkstruktur einer Epoche nennt Foucault Episteme. Im Jahr 1975 veröffentlicht Foucault seine Studie Überwachen und Strafen, in der er eine Geschichte der modernen europäischen Strafsysteme schreibt und die polymorphen Machttechniken in Gefängnissen analysiert.Von 1976 bis 1984 veröffentlicht Foucault die ersten drei Bände seiner groß angelegten Studie Sexualität und Wahrheit. Hier widmet sich Foucault dem Diskurs über den Sex im 19. Jahrhundert und im Antiken Griechenland. Foucault betrachtet die Macht nicht mehr nur als das, was diktiert, verbietet, einschränkt und Grenzen zieht, sondern als eine produktive und allgegenwärtige Erscheinung. „Nicht weil sie das Privileg hat, unter ihrer unerschütterlichen Einheit alles zu versammeln, sondern weil sie sich in jedem Augenblick und an jedem Punkt – oder vielmehr in jeder Beziehung zwischen Punkt und Punkt – erzeugt. Nicht weil sie alles umfasst, sondern weil sie von überall kommt, ist die Macht überall“ (Foucault, 1977: S. 114). Ursprünglich hatte Foucault die Studie auf sechs Bände angelegt, doch durch seinen frühen Tod im Jahr 1984 können die letzten drei Bände nicht erscheinen. Im Alter von 58 Jahren stirbt Foucault an den Folgen von Aids, zu einem Zeitpunkt als die Krankheit noch als rätselhafter Krebs gilt, der nur Schwule befällt.

Eine Ausführliche Einführung in des Werk von Michel Foucault hat sein enger Weggefährte Gilles Deleuze verfasst:

Deleuze, Gilles, 1987, Foucault. (Übers. von Hermann Kocyba) Suhrkamp: Frankfurt am Main.

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