Ergebnisse aus dem Lektürekurs am 6. April 2016

Oder: Hebdige, 2. Versuch

Nachdem wir in der vorangegangenen Sitzung wie Haie in großen Bahnen um den Text von Dick Hebdige gekreist waren, haben wir im anschließenden Lektürekurs mit Vanessa Barbagiovanni Bugiacca den Text auseinandergenommen, als wäre er ein kleines unschuldiges Robbenbaby.

Fast.

Vanessa hat uns einen Fragenkatalog zur Hand gegeben, den Prof. Ellwanger und Prof. Wenk vor längerer Zeit einmal ausgearbeitet haben. Der Katalog soll dabei helfen, einen Text so zu erschließen, dass man damit auch wissenschaftlich arbeiten kann. Hurra, eine Struktur! Die insgesamt 27 Leitfragen fragen nicht nur nach Inhalt und Aufbau des Textes, sondern auch nach der Person des Autors/ der Autorin, implizit und explizit geäußerten Grundannahmen sowie der Ästhetik des Textes.

ACHTUNG SPOILER: Wir haben in dieser Stunde nur die Hälfte der Fragen beantworten können.

Worum geht es Hebdige?

  • Einleitung zu einem Buch, das sich mit Subkulturen befasst.
  • Text gibt eine Einleitung in Methoden und Theorien, die nötig sind um das Phänomen Subkultur zu verstehen.
  • Es geht um den Prozess, wie Objekte bedeutsam werden und als Stil in Subkulturen neue Bedeutung gewinnen.

Wer ist Hebdige?

  • Hebdige kommt selbst aus dem Umfeld der Punk Bewegung und ist/war damit selbst Teil einer Subkultur
  • Er studierte am Centre for Contemporary Cultural Studies in Birmingham, kommt also aus der Denkschule der cultural studies

Grundannahme: Hebdige geht davon aus, dass Subkulturen, Objekte und scheinbar belanglose Praktiken mit Bedeutungen aufgeladen sind, die zu analysieren es sich lohnt.

Wie können wir den Text gliedern?

Einleitung

Die Vaselinetube.

Am Beispiel einer Erzählung von Jean Genet erklärt Hebdige, wie Objekte in bestimmten Zusammenhängen eine Bedeutung erlangen können, die über die „normale Funktion/Bedeutung“ hinausgeht.

Kultur

Definitionen

1. Kultur als Qualitätsmaßstab

Die klassische, konservative Blickrichtung: Kultur als Maßstab ästhetischer Qualität (Oper, Ballett, Kunst, Literatur)

2. Kultur als „gesamte Lebensweise“

Anthropologische Definition: „bestimmte Lebensweise, die sich nicht nur in Kunst und Bildung, sondern auch in Institutionen und normalen Verhalten ausdrückt“

Anfänge der Cultural Studies

Während die frühen Vertreter noch für eine „Wertung“ von Kulturen plädierten (Trennung von guter und schlechter Kultur) hob Roland Barthes diese Trennung auf.

Roland Barthes

Er wendete die Sprachanalyse Ferdinand de Saussure auf andere Diskurssysteme außerhalb der Sprache (Mode, Film, Essen) an.

Eröffnete den Kulturwissenschaften neue Möglichkeiten der semiotischen Analyse.

Barthes brachte gleichzeitig auch eine „marxistische Problematik“ in die Kulturanalyse ein.

Ideologie

Marxistische Definition:

Die Grundlage der kapitalistischen Wirtschaftsstruktur (Schaffung von Mehrwert) bleibt den am Produktionsprozess beteiligten verborgen. Die Unfähigkeit diese Beziehungen, durch die Erscheinungen hindurch zu erkennen ist nicht das Ergebnis von einer durch Individuen vorgenommenen Verschleierungstaktik, sondern Ideologie, die „Unterhalb des Bewusstseins gedeiht.“

Louis Althusser

Ideologie als ein System von unbewussten Vorstellungen, die das denken und damit auch den „gesunden Menschenverstand“ durchtränken.

Beispiel: Bauliche Maßnahmen an der Universität

Machtstrukturen:

Welche gesellschaftliche Gruppe hat wie viel Einflussmöglichkeiten auf die Definition von Bedeutungen? → Hegemonie

Hegemonie:

Konzept von Antonio Gramsci

Der Begriff Hegemonie beschreibt eine Situation, in der eine vorläufige Allianz gewisser gesellschaftliche Gruppen „völlig soziale Autorität“ über andere, untergeordnete Gruppen ausüben kann. Nicht durch Zwang, sondern indem „Übereinstimmung errungen und ein Konsens geformt wird, durch den die Macht der herrschenden Klassen sowohl legitim als auch natürlich erscheint“

Definition von Hegemonie

Hegemonie als bewegliches Gleichgewicht

Hegemonie muss in ständiger Praxis reproduziert werden

Hegemonie kann auch angefochten werden

scheinbar banale Dinge können mit doppelten Bedeutung aufgeladen werden.

FAZIT: Auf den ersten Blick wirkt die Zusammenstellung der Leitfragen wie ein überflüssiges Blatt Papier. Natürlich, denkt man sich, weiß man welche Fragen man sich stellen muss, um einen Text zu verstehen. Der Vergleich der ersten gemeinsamen Stunde mit der strukturierten Textarbeit im Lektürekurs hat uns eines besseren belehrt.

Doch es bleibt noch eine Menge Arbeit. Bisher haben wir etwa die Hälfte der Fragen beantwortet. Was wir noch so alles aus dem Text gezogen haben, liest du hier.

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